Mercury News – San Jose
Es ist wieder unser Hockey
Zur Saisonhälfte kehren Hoffnung, Stolz und Identität zurück
Von Steven Rinella
SAN JOSE. Wenn die Lichter im SAP Center ausgehen und die Pregame – Show startet, ist da wieder dieses Kribbeln. Kein Pflichtgefühl, kein resigniertes Ausharren bis zur Schlusssirene, sondern gespannte Erwartung. Die Zuschauer sitzen aufrecht in ihren Reihen, lehnen sich nach vorne, verfolgen jeden Wechsel. In dieser Halle gibt es keine Stehplätze. Doch selten war ein Publikum innerlich so sehr auf den Beinen.
Zur Saisonhälfte stehen die San Jose Sharks bei 48 Punkten nach 43 Spielen, Rang 17 der Liga. Punktgleich mit Buffalo und Vancouver, in unmittelbarer Schlagdistanz zur erweiterten Playoff-Zone. Auf dem Papier ist das eine nüchterne Zwischenbilanz. In San Jose fühlt es sich an wie ein Wendepunkt.
Mehr als Ergebnisse
Diese Sharks sind kein fertiges Team. Sie dominieren nicht, sie marschieren nicht. Aber sie spielen mit Struktur, mit Disziplin und mit einer Haltung, die lange gefehlt hat. Spiele kippen nicht mehr kampflos. Rückschläge führen nicht mehr zu Chaos. Niederlagen schmerzen, aber sie wirken erklärbar und nicht sinnlos.
San Jose ist wieder unbequem. Gegner bekommen Zeit und Raum nicht geschenkt. Die Mannschaft bleibt kompakt, geduldig und im Spiel, auch dann, wenn es eng wird. Genau darin liegt der Fortschritt.
Stimmen aus den Rängen
Mike Alvarez (52), Dauerkartenbesitzer seit 2001, sitzt wie immer auf demselben Platz. Seine Stimme wird leiser, als er spricht.
„Ich habe dieses Team durch alles begleitet. Und ehrlich gesagt, ich hatte vergessen, wie sich Hoffnung anfühlt.“
Er blickt aufs Eis, während die Spieler zum Bully fahren.
„Früher hast du gehofft, dass ein Spiel schnell vorbei ist. Jetzt willst du jede Sekunde sehen. Das ist ein riesiger Unterschied.“
Ein paar Reihen weiter sitzt Sarah Nguyen (34) mit ihrer Familie. Nach dem Ausgleichstor wischt sie sich die Augen.
„Diese Mannschaft kämpft. Sie versteckt sich nicht. Und wenn du das spürst, gehst du automatisch mit.“
Sie lächelt.
„Es fühlt sich wieder nach zuhause an.“
Ein Name, der Hoffnung trägt
Immer wieder fällt derselbe Name: Macklin Celebrini. Der Rookie ist längst mehr als ein Versprechen für die Zukunft. Er ist ein Gesicht dieses Aufbruchs.
Daniel Ortega (27) trägt ein Celebrini-Trikot, sichtbar stolz.
„Man vergisst manchmal, dass er ein Rookie ist. Er spielt mit einer Ruhe, die ansteckend wirkt.“
Dass Celebrini ligaweit im Rennen um die Calder Trophy ist, sorgt in San Jose für leise Euphorie.
„Es ist nicht nur das Scoring. Es ist seine Art, Verantwortung zu übernehmen. Das gibt einem als Fan Vertrauen.“
Ein Gefühl kehrt zurück
Tom Reilly (61), seit der ersten Sharks-Saison dabei, formuliert es zurückhaltend und gerade deshalb treffend.
„Ich habe gelernt, vorsichtig zu sein mit Erwartungen.“
Er nickt langsam.
„Aber ich habe auch gelernt, Gefühle ernst zu nehmen. Und dieses Gefühl hier hatten wir lange nicht.“
Zwischenbilanz mit Bedeutung
Diese Saison wird nicht allein an Tabellenplätzen gemessen. Sie wird daran gemessen, was sie zurückgebracht hat. Identifikation, Geduld und Stolz. Die Sharks sind wieder ein Team für das man leidet und genau darin liegt ihre Bedeutung für diese Stadt.
Wenn die Zuschauer nach dem Spiel aufstehen, bleiben viele noch einen Moment stehen. Ein letzter Blick aufs Eis. Ein kurzes Innehalten.
Die Jagd ist noch nicht vorbei.
Aber sie hat wieder Sinn.
Hunt. Strike. Conquer.
Sharks on the Prowl.